Informationen rund um den Tee.
Informationen rund um den Tee.

Leseprobe aus: Ernst Janssens Tee Almanach
Nachdruck - auch auszugsweise nur mit Genehmigung des des Autors.

Mit der Verbreitung der Teekultur haben sich in diversen Re­gionen der Erde sehr unterschiedliche Teerituale entwickelt. Diese orientierten sich teils an den Landesgewohnheiten, an den wirtschaftlichen Möglichkeiten sowie an vorherrschenden soziokulturellen Strukturen. Einige Teerituale möchte ich nachfolgend anführen.

Chinesische Teestunden

Vor ungefähr 1000 Jahren beschrieb der chinesische Buddhist und Literat ­Lu-Yün die Teezubereitung so:

»Um Tee zu bereiten, röste einen Teekuchen, bis er rötlich wird, zerbröckle ihn in kleine Stücke und lege diese in einen Porzellantopf. Gieße kochendes Wasser darauf und füge Zwiebeln, Ingwer und Orange hinzu.«

Es schloss sich in der Song-Ära eine Zubereitungsart an, die auf geschlagenem grünem Teepulver basierte. Bis schließlich der Holländer Nieuhof in Reiseberichten aus Peking erwähnt, dass Tee auch mit Milch getrunken wird. 1659 berichtete ein Jesuit, dass die Chinesen bei großer Eile als Ersatz für eine Mahlzeit einfach zwei Eigelb mit etwas Puderzucker in die Tasse Tee schlagen würden.

Früher hieß es in China, dass den Erstabguss der Eunuch tränke. Den Zweitabguss reiche man dem Kaiser und seiner Familie. Einen Drittabguss tränken die Konkubinen des Kaisers.

Nachstehend einige Arten chinesischer Teezubereitung, die heute üblich sind.

Blattaufguss in der Teekanne ( China )

Die Chinesen verwenden eine für europäische Verhältnisse recht kleine Teekanne nebst henkellosen Teeschälchen. Sie spülen das Geschirr heiß ab, geben sodann Teeblätter in die Kanne und überbrühen mit der Hälfte des nötigen Wassers. Ein bis zwei Minuten später wird mit frisch siedendem Wasser aufgebrüht und nach einer Minute wird ein erster Tee getrunken. Die erste Schale ist der »Tee des Wohlgeruches«. Nachdem die Blätter ein zweites Mal aufgegossen sind, wird nach längerer Ziehzeit der »Tee des Wohlgeschmacks« serviert. Ein dritter Aufguss ergibt dann den »Tee der langen Freundschaft«. In einigen Gegenden folgen noch zwei weitere Abgüsse. Wichtig ist, dass eine etwas größere Teeblattmenge verwendet wird und dass die Teekanne klein ist, sodass die Teeblätter jedes Mal trocken fallen und nicht zu sehr ausziehen. Natürlich eignen sich für diese Methode nur Grüner Tee und halbfermentierter Oolong Tee.

Blattaufguss im Deckelbecher (China)

Viele Chinesen füllen sich morgens einige Blätter in einen abgedeckelten Teebecher und geben erstmals nur heißes Wasser darüber. Die Teeblätter öffnen sich bei diesem Erstabguss gar nicht vollständig und bleiben am Becherboden liegen. Der Tee wird darüber abgetrunken. Abgedeckelt bleibt der Rest stehen, bis bei erneutem Teedurst nochmals heißeres Wasser über die Blätter gegeben wird. So wiederholt sich dieser Prozess bis zu fünfmal am Tag mit ansteigender Aufgusstemperatur.

Teeziegelmethode

In einigen Teilen Chinas und in Tibet wird auch heute noch Tee stückweise vom trockenen Teeziegel abgebrochen, in Wasser aufgelöst und mit Milch oder Yakbutter und Gewürzen vermengt getrunken – eine Teeflüssigkeit, die gelegentlich auch ranzig schmeckt und sich dem eu­ro­päischen Geschmacksempfinden gänzlich entzieht. Besonders die nomadisierenden Bergvölker im Tibetanischen nutzen die Ziegelmethode. Da aber die ranzige Butter krebserzeugende Substanzen enthält, ist hier leider auch eine der höchsten Leberkrebsraten der Welt zu verzeichnen.

Besondere Tee-Raritäten

Für sehr seltene, im Vorfrühling gepflückte Hochgebirgstees haben die Chinesen eine besonders schöne Art der Blattverarbeitung entwickelt. Sie binden die Blättchen nach Dämpfung von Hand gerollt zu kleinen Fächern, Sternen, Rosen, Kugeln oder Zylindern und trocknen diese im Wok. Gelegentlich werden junge Blätter auch zu kleinen Tee-Schmetterlingen gebunden oder auf feinen Bambushölzchen zu Spiralen gedreht und getrocknet. Raritäten solcher und anderer Art werden in einer Kanne oder Teeschale, besser noch in einem Glas, mehrfach mit siedendem Wasser übergossen. Einige dieser Teerosen, -fächer oder -körbchen lassen in der Teeschale eine kleine Blüte sich ballonähnlich entfalten und an einem Fädchen aufsteigen, ein aromatischer und ästhetischer Genuss zugleich. Einige solcher Raritäten-Sorten sind zum Beispiel: Yunnan – Jade Fan Teefächer, Huan Shan Green Mu Dan-Teerosen, Yunnan Jade Butterfly, Silver Pearl Mountain.

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Japanische Teestunden

In meinen Händen halte ich eine Schale Tee. Seine grüne Farbe ist wie ein Spiegel der Natur, die mich umgibt. Ich schließe die Augen. Tief in mir finde ich die grünen Berge und das klare Wasser ihrer Quellen. Ich sitze alleine oder im kleinen Kreise lieber Menschen, werde still und fühle, wie all’ dies ein Teil von mir wird.

Das Wundervollste für Menschen, die wie ich dem "Tee-Weg" folgen, ist ein Gefühl der Einheit von Gastgeber und Gast, geschaffen durch die »Begegnung von Herz zu Herz« sowie »durch das Erlebnis des Teilens einer Schale Tee«.
So beschreibt heute das Tee-Erlebnis Soshitsu Sen XV, oberster Teemeister der japanischen Urasenke-Teeschule, Nachkomme des Zen-Teemeisters Rikyu¯ in 15. Generation.

Das Chanoyu

Nirgendwo auf der Welt trägt Tee soviel zum kulturellen Leben des Landes bei wie im Chanoyu, der bis heute lebendig gebliebenen japanischen Teezeremonie.

Hier haben die Zubereitung und das Trinken von Tee eine ästhetische Bedeutung erlangt und sich zu einer Kunst und Philosophie entwickelt. Chado¯, der Tee-Weg. Vielleicht haben Sie ja schon einmal davon gehört? Ein Hauch von Exotik und ein Zauber des Geheimnisvollen umweht diesen Kult rund um den Göttertrank Tee.

Die traditionellen Wurzeln

Die Wurzeln der japanischen Teezeremonie sind tief in der chinesisch-japanischen Geistesgeschichte, im Shintoismus und Konfuzianismus, besonders aber auch im Taoismus und in den verschiedenen Richtungen des Buddhismus zu finden. Der Tee-Weg ist nur einer von zahlreichen Schulungswegen im Zen-Buddhismus, von denen im Westen das Bogenschießen (Kyudo), die Schreibkunst (Shodo), die Schwertkunst (Kendo) und die Blumensteckkunst (Ikebana) bekannt sind. Auf die Menschen des Westens mag es vielleicht übertrieben wirken, der Zubereitung und dem Genuss einer Schale Tee so viel zeitraubende Aufmerksamkeit zu widmen. Was haben sich die Japaner nur dabei gedacht?

Die überlieferten Werte

In der japanischen Teezeremonie sind materielle Werte anderen untergeordnet. Eine tragende Rolle spielen Werte, die in unserer westlich-materialistischen Zivilisation weitgehend in den Hintergrund getreten sind:

Harmonie und Ehrfurcht vor der Größe der Schöpfung,

äußere und innere Reinheit,

Stille und Frieden der Seele und der Welt,

Achtsamkeit.

Achtsam zu handeln bedeutet, im Alltag unwillkürlich ablaufende Tätigkeiten wie Atmen, Gehen oder eben auch die Zubereitung von Tee bewusst auszuführen. Für den Pragmatiker geht es eher um Erfolg und Geld, um Werte wie schneller, weiter, höher ... und reicher. Der Buddhist sieht hingegen in der Gier nach Leben, die das menschliche Ego in den Mittelpunkt stellt, die wahren Ursachen für alles Leid.

Wird eine Schale Tee im Einklang mit den Regeln der Teezeremonie zubereitet, dann ist keine Bewegung, kein Handgriff des Teemeisters willkürlich. Was den Betrachter beeindrucken mag, ihm vielleicht als nicht besonders schwierig erscheint, bedarf dennoch eines langwierigen Lernprozesses. Ein Schüler auf dem Tee-Weg lernt, die Dinge zu ordnen, sie zeitlich genau aufeinander abzustimmen, das soziale Miteinander zu kultivieren. Im Chanoyu geschieht alles mit einer Ästhetik, in der Achtsamkeit, Ehrfurcht, Harmonie, Reinheit und Stille natürlichen Ausdruck finden. Hohes Ziel des Tee-Bewusstseins ist es, alle diese Erfahrungen auch in das Alltagsleben einfließen zu lassen.

Zeremonien-Tee

Zeremonien-Tee ist schon vom Erscheinungsbild, aber auch vom Geschmack her anders als der, den wir sonst genießen. »Schaum aus flüssiger Jade« nennen ihn die buddhistischen Mönche. Mit dem Chasen, einem Pinsel oder kleinen Besen aus Bambus, wird pulverisierter Grüner Tee, Maccha genannt, in der Trinkschale schaumig aufgeschlagen. In zartem Grün leuchtet er nun aus der Teeschale entgegen. Geschmacklich ähnelt Maccha Grünem Blatt-Tee, allerdings wesentlich kräftiger, fast spinatig mundend.

­Chado – der Tee-Weg

Tieferer Sinn einer rituellen Teezubereitung ist es, innerhalb der Welt und der Gemeinschaft mit den Mitmenschen der inneren Ruhe des eigenen Geistes gewahr zu werden. Hieraus ergibt sich die wesentliche Bedeutung des Tee-Weges auch für unsere heutige, von Hektik und Unkonzentriertheit bestimmte Zeit. Mit der Schale Tee, in der sich gleichsam auch die Natürlichkeit und Einfachheit aller Dinge ausdrückt, soll eine friedvolle Stimmung erzeugt werden. Durch die Zeremonie eröffnet sich im Verlauf des Weges auch ein Zugang zur eigenen Mitte. Das schafft Abstand zur Enge quälender Alltagsprobleme, bewirkt mehr Gelassenheit gegenüber den Gegebenheiten des Lebens. Was immer wieder ärgert und Sorgen bereitet, wird relativiert.

Der große Tee-Philosoph Kakuzo Okakura, der den Völkern des Westens bereits um die Jahrhundertwende (19./20. Jh.) östliches Denken nahebrachte, formulierte dies folgendermaßen:

»Die nicht die Kleinheit großer Dinge in sich fühlen, die werden auch die Größe kleiner Dinge in anderen übersehen

Der Tee-Weg ist aber auch ein nicht enden wollender Schulungspfad mit dem Ziel, der Vollkommenheit möglichst nahe zu kommen. Eine Aufgabe, die jedem Menschen lebenslang gestellt ist und die das Leben selbst zur Schulung und Kunst-Schöpfung macht. Demnach wird ein »Tee-Mensch« auch fernab seiner Teetasse und des Rituals in den alltäglichen Handlungen und dem ihnen vorgeschalteten Denken stets eine Übungsmöglichkeit für den wahren Tee-Weg sehen. So öffnen sich ihm immer wieder neue, spannende Begegnungen und Erfahrungen – besonders auch viele unerwartete.

Seken no wabi – gelebtes Tee-Erleben

Das ganze Leben ist gelebte Tee-Kunst. Eine Erkenntnis, die auch den westlichen Künstler und Teetrinker Joseph Beuys mit der japanischen Tee-Kunst verband, indem er meinte, dass jeder einzelne Daseins-Moment im Leben eines Menschen ein wichtiger, nicht vom Ganzen ablösbarer Baustein im »Gesamtkunstwerk Leben« sei.

Abschließende Betrachtung

Vielen westlich-pragmatisch denkenden oder jedem Trend nacheifernden Menschen mögen die vorstehend aufgeführten geistigen Inhalte der japanischen Teezeremonie in oberflächlicher Betrachtung zu kompliziert oder gar unverständlich erscheinen. Schnell sind sie dann dabei, sich über Unverständliches zu belustigen. Aber betrachten wir doch einmal unsere eigenen täglichen Rituale:

Es beginnt mit der morgendlichen Routine des Aufstehens und dem Zähneputzen, der fest zementierten Art des Frühstückens. Im Büro folgt der Ritus, mit dem wir alle Dinge auf dem Schreibtisch morgens anordnen und zum Feierabend wieder abräumen. Pausen vollziehen wir mit geregelten Abläufen. Ritualgleich legen wir zu Hause den Mantel ab, ziehen nach vorgegebenem Bewegungsmuster die Hausschuhe an, entfalten die Zeitung und stecken das Zigarettchen an ... Zu schlimmen, auffälligen Macken mutiert das alles, weil wir es oft automatengleich ohne Bewusstseinsempfindung oder mit etwas völlig anderem im Kopfe tun!

So besehen, haben viele Menschen sehr ausgeprägte Macken. Und das Schlimme daran ist: Sie vermögen daran kaum noch etwas zu ändern, weil sie den sprichwörtlichen Schlüssel hierzu bereits vorzeitig verloren haben oder verloren glauben.

Die regelmäßig geübte Teezeremonie bietet in der japanischen Kultur eine Art Brücke, um sich all der kleinen unbeachteten Dinge des Alltags bewusster zu werden und sie in konzentriertem Handeln ablaufen zu lassen. Sich auf die vermeintlich unbedeutenden Dinge zu konzentrieren bedeutet auch, das verheerende tägliche Gedankengewitter, das unser Gehirn durchschnittlich sechzigtausendmal am Tag durchzuckt, auf ein wieder erträgliches, konzentrationsfähiges Maß zu reduzieren. Das macht einen in sich ausgeglichenen Menschen aus, dessen Gelassenheit sich auf seine Mitmenschen positiv überträgt. Insofern scheint mir die japanische Teezeremonie ein sehr bedeutendes, eigentlich auch westliches Anliegen zu sein.

Ich trinke meinen Tee – und vergesse den Lärm der Zeit.

Mehrfach täglich ...

An einer original-japanischen Teezeremonie kann man im Museum für Kunst und Gewerbe an der Universität Hamburg sowie am Botanischen Institut in München oder an der Hochschule Hannover teilnehmen. Zur Sommerzeit findet gelegentlich auch eine japanische Teezeremonie auf Sylt statt. Die japanische Urasenke-Stiftung unterhält mehrere Stützpunkte in Deutschland. Info über Termine und Orte erhalten Sie im Internet unter: www.urasenke.de.

Für die japanische Teezeremonie werden benötigt:

Tibetanischer Buttertee

1 Matcha-Teepulver
1 Bambus-Teebesen
1 Bambus Teaspoon
1 weite Teeschale aus Steinzeug

Ganz originalgetreu gehalten wären es gar 24 Gerätschaften, die zum stilechten Genuss gehören.

Ich verwende japanische Kaltwetter-Schattentees des Sencha-Typs. Angenehm mild mundet mir ein Sencha Kukicha, der aus der Blattrispensortierung kaltwettergepflückter Blätter besteht.


Viele Teetrinker mögen eher den milderen chinesischen Grüntees oder der stilvollen Friesischen Teerunde mit Schwarzem Tee geneigt sein. Die ganze Teekult-Pracht des Fernen Ostens hat einmal Friedrich Wilhelm II. versucht, im Teehaus von Schloss Sanssouci nachzuempfinden. Ein wunderschönes Gartenhaus, das zu besichtigen wirklich lohnt. Doch mit den Inhalten der Teezeremonie hat diese »Prunklaube« nun wirklich nichts gemein.

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Die Menschen im Hochland Tibets pflegen heute noch die gleiche Teetradition wie vor Jahrhunderten. Vermutlich war Tibet auch das erste Land außerhalb Chinas, das schon im 7. Jahrhundert n. Chr. Tee kennen lernte. Der Sohn des tibetanischen Königs Srong-Tsen-Gam-Po (629-698 n. Chr.) führte den Ziegeltee in seiner Heimat ein. Seitdem ist Tee das Nationalgetränk der Tibetaner, von dem sie noch heute 30 bis 40 Tassen täglich trinken. Das ergibt mit 12 kg den höchsten Pro-Kopf-Verbrauch weltweit. Wie tief Tee in die tibetanische Kultur eingebettet ist, zeigt sich auch in der Sprache. Beispielsweise werden 8 km Wegstrecke in »3 Tassen Tee« ausgedrückt, und selbst im Nationalepos Tibets ist Tee verwurzelt.

In einer ersten englischen Reisebeschreibung über die Grenzgebiete zwischen Tibet und Indien wird berichtet, dass die Berglandbewohner Tibets morgens fünf bis zehn Tassen Tee tränken. Der Rest des Tees würde dann mit gemahlener Gerste verrührt, bis eine Paste entsteht. Tee-Extrakt wird mit 30 g Teeziegel-Bruchstücken und 30 g Soda in 1 Liter Wasser aufgekocht, gewürzt und gesalzen. Später, für Teegenuss, wird dieser Extrakt im Verhältnis 1:10 mit heißem Wasser und ranzig riechender Butter zu Tee verrührt, bis eine kakaoähnliche Färbung einsetzt. An dieser Zubereitungsform hat sich unter den tibetanischen Völkern bis heute nichts verändert. Nach dem Trinken verbleibt auf den Lippen ein Fettfilm. Dieser schützt die empfindlichen Lippen in großer Gebirgshöhe vor der starken UV-Einstrahlung.

Vor einiger Zeit stellte die Weltgesundheitsorganisation unter den Tibetanern eine der höchsten Leberkrebsraten fest. Fachleute begründen diese mit dem Dauerkonsum ranziger Yakbutter, die nach oft stundenlanger Erhitzung und Überlagerung krebserzeugende Stoffe enthält.

Dem Gast wird allerdings der einmalige Konsum dieses Getränks weitaus weniger schaden als die Folgen seiner Ablehnung, an einer tibetanischen Teerunde teilzunehmen. Denn es gilt in Tibet als eine besondere Ehre, zum Tee geladen zu werden.

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Anmerkung zu Tee aus Japan: (aktualisiert Juni 2011)

Nach dem Atomunglück von Fukushima werden eine Reihe von Japan-Tees wegen zu hoher Radionuklidbelastung nicht mehr in Verkehr gebracht werden können. Ihr Teehändler verfügt über entsprechende Informationen und diese an Sie weiterleiten. Bio-Angebote sind insbesondere bei Japan-Tees grundsätzlich zu bevorzugen.

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Englische Teestunden

Im Jahre 1661 wurde, wie bereits berichtet, die portugiesische Königstochter Katharina von Braganza Gemahlin des englischen Königs Charles II. Sie siedelte samt einer Kiste Tee von Portugal nach England um und führte die Teekultur bei Hof ein. Es war Grüner Tee.

Der schon von den Holländern zuvor nach England exportierte Tee, später von der East India Company direkt importiert, diente der Frauenbewegung als Ernüchterungsgetränk. Er wurde im Volk derart populär, dass manche Familie ein Viertel ihres Einkommens dafür ausgab. Die Männer suchten weiterhin ihre angestammten Kaffeehäuser und Clubs auf, in denen sie Kaffee tranken. Frauen hatten dort keinen Zutritt und tranken zu Hause Tee. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich unter der Herzogin von Bedford der Afternoon Tea, der zwischen dem Lunch und dem frühabendlichen Dinner nur mit einem Bisquit einzunehmen war. Später folgte der Five o’Clock Tea, eine rituelle Teestunde, zu der die gesamte Nation zugleich Tee trank und hierzu Sandwiches, Bisquits, Shortbread (Sandgebäck), Toast oder Scones (leichte Milch-Teebrötchen) reichte. Später folgte der Early Morning Tea, direkt am Bett getrunken, gefolgt vom Breakfast Tea zum Frühstück. Den Tag beendete schließlich ein High Tea, der zum Abendessen gereicht wurde. Täglich mehrfach wiederholte sich so britischer Teegenuss, der heute 171 Mio. Tassen täglich beträgt und aus dem englischen Leben nicht mehr wegzudenken ist.

Im Jahre 1717 eröffnete Thomas Twining einen ersten Tea Room, den auch Frauen aufsuchen durften. Teegenuss prägte mehr und mehr auch das Freizeitvergnügen der Engländer, die sich ab 1750 gern auch open-air in Teagardens trafen. Hierzu spielte in den Parks ein Orchester auf und die Besucher ließen sich mit ihren Familien an Tischen oder direkt auf dem Rasen bei mitgebrachten Köstlichkeiten for a nice cup of tea nieder. Ein locker-vergnügliches Ritual, das heute noch in England von vielen Hotels mit dem Afternoon Tea im Belle Époque Flair als Tanztee gepflegt wird.

Engländer mögen morgens und über Tag einen kräftig färbenden, voll und malzig mundenden Tee. Diesem fügen sie nach Belieben Zucker, Milch, Sahne oder Zitrone zu, wobei sie zuerst die Milch in die Tasse geben und dann den Tee eingießen. Sie bevorzugen heute neben afrikanischem Tee auch Ceylon- und Assamtee aus der CTC-Produktion, feinste Aussiebungsgrade intensivster Auslösung. Zur feineren Teestunde wechseln sie, gutes Teewasser vorausgesetzt, auf Darjeelingtee höherwertiger Blattgrade, die mit bernsteingoldener Färbung und herbspritzigem Aroma unter den anspruchsvollen Teetrinkern auch zwischen den Mahlzeiten beliebt sind. Zwischendurch genießen sie auch Earl Grey Tea, Schwarzer Tee mit Bergamotte-Citrusöl aromatisiert. Zum Five o’Clock Tea werden in England seit jeher nur kleine Kuchenstücke gereicht. Ein englischer Kuchenteller ist gegenüber deutschen Ausmaßen durchweg um 5 cm im Radius kleiner.

There is always time for tea-time, heißt es in England. Und je nach Feinheitsgrad der Teegesellschaft fanden sich immer wieder auch mal ein Gläschen Whisky, Sherry oder Rum zum Tee oder direkt in selbigem mit ein. In einer kritischen Buchbeschreibung wurden einmal die Gesichter Tee trinkender englischer Damen der feinen Gesellschaft mit jenen von Kamelen arabischer und tibetanischer Teekarawanen gleichgestellt. 

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Orientalische Teestunden

Von den Ländern des Orients bauen nur die Türkei und Persien für den Eigenbedarf Tee an. Starke Konsumenten sind im Verlauf des 20. Jahrhunderts aber auch die Ägypter, Marokkaner und Tunesier geworden.

Einzig die Marokkaner trinken Grüntee. In den anderen orientalischen Ländern wird ein Dekokt (Abkochung mit ca. 15 Minuten Ziehzeit) aus Schwarztee zubereitet mit maximaler Auslösung der Teewirkstoffe. Die hohe Auslösung von Coffein bewirkte z. B. bei Tunesiern ein höheres Vorkommen von Arteriosklerose, die wiederum bei den Grüntee konsumierenden Marokkanern nicht festzustellen war.

Tunesien/Marokko – geminzter Tee

Tunesiern und Marokkanern ist gemein, Tee mit Minzblättern anzureichern. Das ergibt einen angenehm erfrischenden Geschmack. In letzter Zeit hat sich die Unsitte breit gemacht, dem geminzten Tee hohe Zuckeranteile hinzuzufügen.

Ägypten, Türkei, arabische Länder, Persien – Schwarzer Tee

Russische Teestunden

In all diesen Ländern wird ein sehr starker Teesud aufgekocht und in ein bis zu einem Viertel mit Zucker gefülltes Glas gegeben. Ein Blick auf die Zahn- und sonstige Gesundheit dieser Teetrinker verrät die Folgen des unsinnig hohen Zuckerkonsums. Speziell in Persien fügen sich Teetrinker gern noch Kardamom und andere Gewürze in den Tee. Dazu werden geröstete Pistazien gereicht.

Als Vorläufer Russlands entdeckten die Völker der Mongolei bereits um 1000 n. Chr. den Ziegeltee als offizielles Zahlungsmittel auf Märkten.

Die russische Teestradition beginnt mit dem Jahr 1567. Zu dieser Zeit hatte der chinesische Großkahn dem Gesandten des Zaren 200 Pakete Tee als Präsent nach Russland mitgegeben. Doch der traute sich nicht, das Geschenk an seinen Herrn weiterzuleiten, weil er den Inhalt für schnödes Gras hielt. Schließlich erhielt der Zar das Präsent und der Gesandte erläuterte bei Hof die richtige Art der Zubereitung.

Die Menschen in den GUS-Staaten trinken heute etwa viermal so viel Tee wie die Deutschen. Auf Reisen begegnet man überall dem Samowar, gefüllt mit heißem Wasser und einem obenauf stehenden Kännchen Teesud. Tee wird aus Gläsern getrunken. Gesüßt wird mit Marmelade, die man löffelweise in den Mund nimmt. Alternativ zu Marmelade wird auch Kandis verwendet.

Heute wird in Russland hauptsächlich Schwarzer Tee aus Anbaugebieten in Georgien und Grusinien getrunken. Die GUS-Länder importieren aber auch viel Tee aus China und Indien. Besonders beliebt sind die gebröselten Broken-Tees mit starker Auslösung.

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Friesische Teestunden

Die Wurzeln der friesischen Teekultur liegen in der calvinistischen Mäßigkeitsbewegung, die von den Niederlanden ausgehend Ostfriesland erfasste. Der calvinistische Glaube, der sich von Holland aus auch über Ost- und Nordfriesland ausbreitete, forderte von den Gläubigen ein sünden- und alkoholfreies Leben. Vielerorts wurde das Teetrinken auch den in Mäßigkeitsvereinen organisierten Frauen im wahrsten Sinne des Wortes schmackhaft gemacht. Endlich konnten auch sie einmal ohne Scham zu empfinden und ohne Begleitung der Männer ausgehen und unter sich sein.

Tee ostfriesisch aus der Kanne

• Teekanne mit heißem Wasser vorwärmen.

• Pro Tasse einen Teelöffel Blätter in die Kanne geben.

• Für die Teekanne kommt nach alter Tradition ein weiterer Teelöffel 
Blätter dazu.

• Mit etwas siedendem Wasser angießen.

• Nach ein- bis zwei Minuten siedendes Wasser auffüllen.

• Kandisstücke in kleine Tassen legen.

• Tee durch ein Sieb heiß darüber geben.

• Ein laut vernehmbares Knacken des Kandis läutet nun die Teestunde ein.

• Bei Bedarf etwas Sahne mit dem Sahnelöffel seitlich in die Tasse geben,
sie zieht in Wolken durch den Tee.

• Statt der Sahne einen Spritzer frischer Zitrone zugeben.

• Wer es mag, gibt etwas Rum oder Köm in den Tee.

• Tee in aller Ruhe und Gemütlichkeit genießen.

• Wenn die Kanne halb leer ist, wird nochmals mit siedendem Wasser aufgefüllt und Tee nachgeschenkt, solange nicht die Tasse umgedreht oder der Teelöffel quer über die Tasse gelegt wird.

Ansatz von Teesud im Treckpott nach friesischer Art

Für eine andere Brühmethode, die wohl von Holland ausging, wurde eine gute Handvoll Teeblätter (meist hochlöslicher Teebruch oder Blattstaub vom Boden der Teekrämerbüchsen – Gruss/Teegrüss) direkt in den Treckpott, von Kritikern wegen der vermeintlich sinnlosen Geldausgabe für Tee einstmals auch Bankruutsketel genannt, gegeben. Ganztags surrte über dem Herd der Sudkessel und stand für Teestunden bereit. Solch Teestaub, dessen starke Auslösung später zu dem Ausruf »oh Graus« führte, wurde auch als »Armeleutetee«, der für die »gemeinen (einfachen) Leute« bestimmt sei, bezeichnet. Zum Trinken wurde ein wenig Sud aus dem Treckpott über ein Sieb in mit erhitzter Milch befüllte Teetassen gegossen. Durch das vorherige Einfüllen der Milch wurde auch eine Dunkelfärbung des weißen Porzellans, die von der Gerbstoffreaktion mit hartem Teewasser stammt, verhindert. Schon die alten Chinesen schwenkten ihre weißen Schalen einmal mit Milch aus, bevor sie Tee hineingaben.

Tee richtig anzusetzen und für genügend Zutaten zu sorgen, gehörte bei den Friesen zu den Aufgaben der Großmutter im Hause.

• Eine Handvoll Teeblätter oder Teegrüss in den »Treckpott« geben.

• 1 Liter Wasser darauf füllen und auf dem Herd einmal kurz aufkochen.

• Den Treckpott abgedeckt stehen lassen und heiß halten.

Friesischer Tee - in Tassen serviert

• Zur Teestunde Milch oder Wasser erwärmen oder aufkochen.

• Teetassen zu ¾ mit heißem Wasser oder Milch füllen.

• Vom Treckpott über ein Sieb Teesud zugeben, bis die Farbe stimmt.

• Tee in der Tasse zusammen mit einem Stück Gebäck servieren.

Bei Tisch stehen Zucker und Zitrone sowie die Keksdose zur Selbstbedienung bereit. Es gilt jedoch als unhöflich, sich ein zweites Mal aus der Keksdose zu bedienen.

Die Hausfrau schenkt bei geselliger Teerunde solange Tee nach oder serviert neu befüllte Tassen, bis ihr die umgedrehte Tasse oder ein quer darüber liegender Teelöffel Kapitulation signalisiert. Tagsüber ist es üblich, nur eine Tasse langsam zu trinken, um danach wieder seinen Aufgaben nachzugehen.